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K11 - Confessions of a Sex Tourist (Dokumentarfilm)

Dieser selbstfinanzierte und -produzierte Dokumentarfilm über einen Schweizer Sextouristen in  Kambodscha gibt einen der seltenen Einblicke in die Welt der (Kinder-) Prostitution aus der Sicht des Täters. Confessions of a Sex Tourist ist im Deutschen mit "der Beichte eines Sextouristen" zu übersetzen.

K 11 bezieht sich auf das ehemalige berühmt berüchtigte Rotlichtviertel Svay Pak, 11 Kilometer nördlich von Phnom Penh, Kambodscha. Svay Pak erlangte vor allem weltweiten Ruhm als Nummer eins Destination für ausländische Männer mit Vorliebe für junge Mädchen.  

Nach massivem internationalen Druck auf die kambodschanische Regierung wurde Svay Pak 2005 offiziell geschlossen, der Film zeigt aber, dass man dort nach wie vor junge Frauen und Mädchen angeboten bekommt. Das Geschäft hat sich nur in die Hinterhöfe zurückgezogen.

K 11 – Confessions of a Sex Tourist: Österreich, 2009, 30min, dt. OmeU (Directors Cut: 38min)

K 11 - Confessions of a Sex Tourist


K 11 - Confessions of a Sex Tourist - Der Film


An dieser Stelle ein Dank an Manuela Fink, Alex Kals, Reinhard Klingenberg, Felix Lang, Christian Mausser, Maria Stumpfl und den MitarbeiterInnen von CWCC für ihre Hilfe.


Synopsis:

Ein Geschäftsmann in den Vierzigern spricht offen über seine Aktivitäten als Sex Tourist, nichts ahnend dabei von einer versteckten Kamera aufgenommen zu werden. Über seine Tricks, wie er junge Mädchen in sein Hotelzimmer lockt und missbraucht, während er dabei gegen internationale Gesetze verstößt, die die jungen Mädchen beschützen sollten.

Seine Geschichte gibt einen seltenen Einblick in die verborgene Welt von westlichen Männern, die rund um den Globus reisen, nur um ihre perversen Träume auszuleben. Ohne Angst vor einer strafrechtlichen Verfolgung und ohne einen Gedanken an die zahlreichen Frauen zu verschwenden, die sie missbraucht haben.

K 11 - Confessions of a Sex Tourist (K 11 - steht für das Mekka der Prostitution in Kambodscha) zeigt den Sextourismus aus der Sicht des Täters.


Festivalteilnahmen: perspektive - Nürnberger Filmfestival der Menschenrechte/Deutschland, Documenta Madrid/Spanien, document 8 - Internationales Menschenrechts Dokumentar Filmfestival/Schottland, Vienna International Shorts/Wien (lobende Erwähnung der Jury), Rokumentii Rock Filmfestival/ Finnland, SHOOT-Me Filmfestival/Die Niederland, Bunker Filmfestival/Die Niederlande, shortynale/Klosterneuburg (Spezialpreis der Jury), JIHLAVA IDFF/Tschechien, Guangzhou International Dokumentar Filmfestival/China, this human world/Wien


Hintergrundinformation: KAMBODSCHA

Gewalt gegen Frauen ist in Kambodscha weit verbreitet. Vorsichtigen Schätzungen zufolge sehen sich in diesem Land c.a. 40% der Frauen mit Gewalt konfrontiert. Frauen und Mädchen werden häufig Opfer von häuslicher Gewalt, Zwangsehen, Säureattentaten, Frauenhandel/ Zwangsprostitution und Vergewaltigung. Auch häufen sich in letzter Zeit so genannte „gang rapes“ (bekannt als “bauk”- wörtlich “plus” in Khmer). Bauk erfolgt in der Regel, wenn zwei junge Männer eine Frau, meistens eine Sexarbeiterin, in ein Gästehaus mitnehmen, wo ihre Freunde, in der Regel zwischen vier und 10 Jugendliche, auf der Lauer liegen um sie zu vergewaltigen. Oft stehen sie dabei unter Drogen, v.a. Methamphetamine (unter den Straßenbezeichnungen Meth, Glass, Ice, Crystal, Yaba, Yama,..) sind stark verbreitet.

Eine Umfrage, die von einer lokalen Menschenrechts-NGO durchgeführt wurde hat ergeben, dass   40 % der Frauen und Mädchen, die als Sexarbeiterinnen arbeiten,  dies freiwillig tun, während 60 Prozent dazu gezwungen werden. Die NGO schätzt auch, dass es bis zu 90.000 Sexarbeiterinnen im Land gibt. Nach Angaben von UNICEF-Cambodia ist ein Drittel aller Sexarbeiterinnen unter 18 Jahren alt. Vor allem sind junge Mädchen betroffen. Sie stammen aus armen ländlichen Regionen und urbanen Slums und sind meist zwischen 12 und 17 Jahren alt. Bei den sich prostituierenden Jungen handelt es sich sehr häufig um Straßenkinder, die selbstorganisiert arbeiten. Die „Kunden“ kommen aus Kambodscha, den Nachbarstaaten, aus Europa und den Vereingten Staaten von Amerika.

Menschenhandel bedeutet die Verschleppung von Frauen und Kindern aus ihren Gemeinden/Provinzen in ausbeuterische Formen der Arbeit - in der Regel Prostitution - durch Zwang oder Täuschung. Oft wird den Frauen versprochen Arbeit als Kellnerin, Hausangestellte oder Näherin zu bekommen, stattdessen werden sie in die Schuldknechtschaft verkauft, in der sie, um die Schulden samt der hohen Zinsen bezahlen zu können, jegliche Arbeit machen müssen. In anderen Fällen werden die Frauen direkt von einem Familienmitglied an einen Schlepper oder einen Bordellbesitzer verkauft. Sobald eine Frau als Sexarbeiterin gearbeitet hat, macht die soziale Stigmatisierung der Sexarbeit es sehr schwierig für sie, sich wieder in die Gesellschaft einzugliedern.

Menschenhandel findet aber nicht nur innerhalb des Landes statt, sondern erstreckt sich dabei auch auf andere Länder. Kambodscha ist neben Herkunftsland, auch Transit- und Zielland für den grenzübergreifenden Handel mit hauptsächlich Frauen und Kindern. Ein Drittel der minderjährigen Sexarbeiterinnen in Kambodscha stammt aus Vietnam und China. Sehr junge kambodschanische Mädchen werden vor allem nach Thailand gehandelt. Andere Ziele sind u.a. Hongkong, Malaysia, Japan, USA, Europa und  Südafrika. Oft sind Familienangehörige und Bekannte in den Handel involviert.

Heute hat die Mehrheit der kambodschanischen Frauen in ländlichen Gebieten noch keinen Zutritt zu den notwendigen Lebensgrundlagen, wie medizinische Versorgung, Bildung und Berufstätigkeit. Die mangelnde Ausbildung und die damit verbundenen Folgen, wie geringe Arbeitsperspektive, geringes Selbstwertgefühl und Armut, machen die Frauen anfällig für sexuelle Ausbeutung.  

Existenzielle Armut, Korruption und Kinderhandel bilden auch die Grundlage für einen intensiven Sextourismus. Seit in Thailand und den Philippinen die Gesetze zum Schutz der Kinder restriktiv kontrolliert werden, gilt Kambodscha als Nachzügler und gleichzeitig als Magnet für Kinderschänder aus der ganzen Welt.

Es erscheint uns für wichtig zu erwähnen, dass trotz der schrecklichen Schicksale vieler Mädchen auch Hoffnung auf Besserung besteht. Mithilfe internationaler und nationaler Organisationen werden immer mehr Frauen und Mädchen aus den Händen von Menschenhändlern und Bordellbesitzern befreit und finden Unterschlupf und oft auch eine Ausbildung in Frauenhäusern. Auch wir haben mit unserem Dokumentarfilm "K 11 - Confessions of a Sex Tourist" einen kleinen Beitrag dazu leisten können. Fünf miderjährige Mädchen (im Film zu sehen) konnten aufgrund unserer Aufnahmen aus Svay Pak befreit werden. Und darauf sind wir auch stolz.


Hintergrundinformation: SVAY PAK
Svay Pak ist ein ethnisch vietnamesisches Dorf im Russey Keo Bezirk von Phnom Penh, Kambodscha. Man nennt Svay Pak auch K 11, eine Anlehnung zu der 11 kilometerweiten Entfernung zu Phnom Penh.

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Die Informationen die man über Svay Pak bekommt sind spärlich. Interessanter Weise beziehen sich die meisten Mitteilungen auf Svay Pak "danach". Mit "danach" meine ich, nach 2005. In diesem Jahr wurde Svay Pak offiziell für Geschlossen erklärt. Bereits im Jahre 1995 wurde Svay Pak durch einen Brand fast gänzlich zerstört. Doch wie der Phönix aus der Asche, lebte K 11 wieder neu auf.

Bis zum Jahr 2005 hatte Svay Pak eine Bevölkerung von ca. 5000 - 6000 Menschen. Schätzungen zufolge lebten und arbeiteten mehr als 500 Prostituierte hier. Das Dorf besteht im Wesentlichen nur aus einer breiten Straße mit dicht nebeneinander stehenden Häusern.

Svay Pak war bis dahin Jahrzehnte lang das Mekka des internationalen Kindersextourismus. Männer aus der ganzen Welt trafen sich in K 11, um ihre Vorliebe für Sex mit Kindern nachzugehen. Die meisten Mädchen in Svay Pak waren um die 15 - 20 Jahre jung. Wer eine Jüngere wollte, musste in der Regel nur kurz warten und schon wurden junge Mädchen aus dem Hinterzimmer geholt. Vietnamesische Mädchen, manche nicht einmal 3 Jahre jung,  wurden hier verkauft, missbraucht und vergewaltigt. Aufgrund der starken Nachfrage blühte auch der Handel mit Kindern aus Vietnam. Jede Woche wurden neue Mädchen nach Svay Pak gebracht, um "boom-boom" (Geschlechtsverkehr) und "yum-yum" (Oralsex) anzubieten. Für 20 bis 30 US $ konnte ein Kinderschänder in einem engen und feuchten Raum in einem der vielen Betongebäuden, 1 Stunde lang ein Kind missbrauchen. Für eine Jungfrau musste man mehr hinblättern. Um die 500 US $ wurde für eine Jungfrau verlangt, je nach Verhandlungsgeschick und Nachfrage. Nicht zuletzt aufgrund der niedrigen Preise war der Andrang enorm. Und durch die laxe Kontrolle durch die Behörden. Verstrickungen in höchste militärische Kreise und Schmiergeldzahlungen sorgten dafür, dass BordellbesitzerInnen und Kunden kaum verhaftet wurden. Tipps über eine bevorstehende Razzia waren keine Seltenheit.

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Persönliche Eindrücke von Puja Khoschsorur
2005. Mein erster Besuch in Svay Pak. Mit Kollegen einer lokalen Nichtregierungsorganisation  fahre ich mit dem Auto nach Svay Pak. Obwohl das Auto nach außen hin neutral ist, das heißt es gibt keine Aufkleber oder sonstige Hinweise auf eine Hilfsorganisation fallen wir auf. Niemand möchte mit uns sprechen. 2005 ist kein gutes Jahr für die Einwohner dieses Dorfes. Zu viel Polizei und NGO's waren in letzter Zeit hier. Wegen dem großen internationalen Druck sind die Behörden gerade dabei, dieses Paradies für Kinderschänder ein für alle Mal zu schließen. Ich bekomme zu hören, dass auch Kambodschaner in Svay Pak Kinder missbraucht haben, nicht nur Ausländer. Ich sehe an den Wänden der Häuser - oder was von ihnen übrig geblieben ist Kinderzeichnungen und vietnamesische Schriftzüge.

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2007. Mein zweiter Besuch in Svay Pak. Die Kinderbordelle sind geschlossen, zumindest sieht es so aus. Aus dem ehemaligen berühmt berüchtigten "Kinderdorf" Svay Pak ist nicht mehr viel übrig. Eine Geisterstadt. Wo einst in den Cafés reger Betrieb herrschte - Sex mit Kindern macht anscheinend auch hungrig - empfangen mich heute gähnende Leere und völlig übertriebene Preise. Für meine Dose Coca Cola zahle ich knapp 5 US $. Fünf Dollar - den Preis, den Mann für Short-Time mit einem Mädchen bezahlt. Inmitten der Straße haben zwei NGO's ihre Büros errichtet und zeigen Präsenz. Zum Einen sollen etwaige Kunden abgeschreckt werden, zum Anderen die dort noch verbliebenen Kinder geschützt und versorgt werden. Ich komme mit der Cafébesitzerin ins Gespräch. Eine ältere Dame, die vor Jahrzehnten aus Vietnam nach Kambodscha gekommen ist. Sie erzählt mir, wie toll es doch früher hier war. Jeden Tag kamen mehrmals Busse (!) aus Phnom Penh. Voll mit Devisenbringer. Man hatte hier die Auswahl an Mädchen jeglichen Alters. Begehrt waren vor allem minderjährige Mädchen. Nach ihren sexuellen Aktivitäten konnten sich die Kunden in einem der vielen Cafés stärken und sich über ihre Erfahrungen austauschen. Ja, das waren noch Zeiten, erzählt man mir fast wehmütig. Ob sie kein schlechtes Gewissen hätten, ihren Umsatz mit Kinderschändern gemacht zu haben, möchte ich von ihr wissen. Es hätte sie schon gestört, aber Geschäft sei eben Geschäft. Sie müsse auch sehen, wie sie sich und ihre Familie ernähre.

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Während den 3 Stunden, die ich dort verbringe, sehe ich keinen einzigen ausländischen Touristen. Zumindest fällt mir keiner auf. Ob noch Touristen nach Svay Pak kommen, möchte ich wissen. Zaghaft bekomme ich zu hören, dass hie und da schon manche kommen, aber die meisten seien wohl Journalisten und/oder Polizisten. Warum sollten denn noch Touristen kommen? Svay Pak ist ja geschlossen. So steht es auch im Internet. Beim Verabschieden fügt die alte Dame leise hinzu, dass es außerdem keine gute Zeit, so früh am Nachmittag hierher zu kommen. Am Abend siehe die Situation schon anders aus. So begebe ich mich ein paar Tage später nach Einbruch der Dunkelheit wieder auf den Weg nach Svay Pak. Der Motorfahrer schreckt kurz zusammen als ich in das Ziel der Fahrt sage. Er kenne bessere Plätze, Svay Pak sei geschlossen. Nichts desto trotz fahren wir nach K 11. Wieder nichts.

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2008. Ein Jahr ist vergangen und ich bin wieder in Kambodscha. Wieder mache ich mich auf den Weg nach Svay Pak. Diesmal mit Erfolg. Über einen Insider bekommen wir genaue Informationen und Anweisungen. Zusammen mit einem Kollegen fahre ich bepackt mit einer versteckten Kamera nach Svay Pak. Dort angekommen, werden wir nach kurzer Zeit fündig. Wir folgen dem vietnamesischen Zuhälter, einem jungen Mann um die 20, durch ein Hinterhof Wirrwarr, bis wir schlussendlich auf eine kleine Gruppe junger Mädchen stoßen. Die Mädchen, allesamt unter 6, 7 Jahren werden uns vorgestellt und wir sollen uns für eine oder zwei entscheiden. Es gibt kaum Licht, die Wände weisen auf Poster der vergangenen Zeiten hin und es ist ein Drecksloch. Die unbekümmerte Art der Mädchen und die aggressive Art des Zuhälters fallen mir auf. Die Mädchen in ihren Pyjamas machen keinen schreckhaften Eindruck. Mir scheint, dies sei ihr Tagesgeschäft. Nach Sichtung des Filmmaterials und Übergabe an eine lokale NGO können die Mädchen befreit und in Heimen untergebracht werden.

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2010. Erneut in Kambodscha zieht es mich wieder nach Svay Pak. Svay Pak ist offiziell seit 5 Jahren geschlossen. Durch die vielen Polizeikontrollen und die internationale Beobachtung hat sich der Handel mit minderjährigen Mädchen nur noch tiefer in die Hinterhöfe verlagert.
Zumindest hat sich die Möglichkeit Kontakte mit Kindern zu bekommen, erschwert. Ziemlich sogar. Es bleibt nur zu hoffen, dass die Gesetze zum Schutz der Kinder eingehalten und vor allem auch streng kontrolliert werden. Denn die Vollstreckung der Gesetze ist und bleibt eines der Haupthindernisse bei den Anstrengungen zur Beseitigung der Kinderprostitution. Dann ist Svay Pak wirklich geschlossen. Wie es im Internet steht.